Jesus Christus ist der Herr! Phil 2, 11

Märtyrer – Abel

Was mag Adam gefühlt haben, als er seinen Zweitgeborenen, Abel, in den Händen gehalten hat? Tot, erschlagen vom eigenen Bruder, dem Stammhalter Adams! Wie tief war sein Geschlecht gefallen! Eben noch hatte er in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott im Garten Eden gelebt, unschuldig, sorgenfrei, behütet und bewahrt von Gott selbst. Da hat er nun gestanden, vertrieben aus dem Garten Eden, im Schweisse seines Angesichts für sein Brot arbeitend, seinen toten Sohn in den Händen haltend. Ob Adam erkannt hat, dass er selbst eine grosse Mitschuld an der Tragödie getragen hat? Schliesslich war er es gewesen, durch den die Unschuld verloren gegangen und die Sünde – und mit ihr der Tod – in die Welt gekommen war (vgl. Röm 5, 12). Er und seine Frau Eva hatten im Überfluss gelebt, hatten ein erfülltes Leben geführt, denn sie waren zur Gemeinschaft mit Gott bestimmt gewesen und hatten diese Gemeinschaft ungetrübt geniessen können; Gott selbst hatte sie jeweils in der Kühle des Abends besucht (vgl. 1. Mose 3, 8). Sie waren genau an dem Platz gewesen, der ihnen zugewiesen war, hatten genau das Leben geführt, das zu führen sie bestimmt gewesen waren. Alles hatte ihnen zur freien Verfügung gestanden, über alles hatten sie herrschen dürfen (vgl. 1. Mose 1, 28). Es hatte keinen Tod, keinen Schmerz, kein Leid, keine Trauer, keine Not gegeben, nur Leben im Überfluss. Gott, der Herr, hatte ihnen Sein Meisterwerk, die Welt mit all ihren Pflanzen und Tieren, anvertraut; sie hatten die volle Verantwortung dafür übernehmen dürfen.

Überall auf der Welt erfüllt es die Menschen, wenn sie einen Bereich haben, für den sie die Verantwortung tragen. Man legt sich einen Garten an, kümmert sich um Haustiere, um Maschinen, um den eigenen Haushalt, füllt seinen Platz an der Arbeit aus, strebt nach einer Beförderung und damit nach einer Erweiterung des Verantwortungsbereiches und ähnliches mehr. Wenn man nicht durch äussere Umstände dazu gezwungen ist, beschränkt man sich nicht auf ein Minimum. Nein, der Garten muss perfekt aussehen und den optimalen Ertrag abwerfen, das Haustier muss verwöhnt werden, die Wohnung muss dekoriert und geschmückt werden, die Arbeit muss pefekt erledigt werden! Das Streben nach Perfektion ist im Menschen angelegt. Wenn man jemanden zu Höchstleistungen animieren will, muss man ihm die Verantwortung für einen bestimmten Bereich übertragen. Ein Mitarbeiter, der sich für einen Bereich verantwortlich fühlt, wird in der Regel darauf sinnen, seine Arbeit so gut als möglich zu erledigen. Wir sind dazu bestimmt, Verantwortung zu übernehmen. Dazu hat uns Gott ursprünglich in die Welt gesetzt. Selbst die Menschen, die keine Verantwortung übernehmen, sondern nur nach Macht gieren (und die Verantwortung dann an andere abschieben), geben Zeugnis davon, dass es unsere Bestimmung ist, Verantwortung zu übernehmen. Die Machtgier ist nämlich nichts anderes als eine perverse Form, über einen Verantwortungsbereich herrschen zu wollen. Leider haben wir heute allerorts Beispiele vor Augen, die zu sagen scheinen, dass das Streben nach Verantwortung etwas Schlechtes sei. Nur zu oft missbrauchen Menschen eine ihnen übertragene Verantwortung, indem sie sie zum Nachteil von anderen ausüben. So wird etwas, das ursprünglich von Gott kommt, schlecht gemacht. Wir sollen schlecht über Seine Gaben und damit letztlich auch über Ihn selbst denken. Hat Sein Widersacher, der Satan, der grosse Verleumder, nicht von Beginn weg nach diesem Schema operiert? Wie hat er Eva dazu überredet, von der verbotenen Frucht zu essen? Genau, indem er ihr weisgemacht hat, Gott wolle ihr etwas Gutes vorenthalten! Seine Dreistigkeit ist unerreicht:

4 Und die Schlange sprach zu der Frau: Ihr werdet durchaus nicht sterben, 5 sondern Gott weiss, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses. 1. Mose 3, 4. 5

Gott hat gelogen! Ihr werdet nicht sterben! Gott will euch etwas vorenthalten! Ihr sollt blind und unwissend bleiben! Er will keine selbstverantwortliche, denkende, urteilende Gegenüber, sondern dumme Marionetten! Er hat Angst, dass ihr Ihm gleich werdet! Wollt ihr nicht auch den Durchblick haben? Wollt ihr nicht erkennen und verstehen? Wollt ihr nicht sein wie Gott? – O, wir törichten Menschen! Wie oft sind wir schon auf diese Lügen hineingefallen! Immer und immer wieder erzielt der Satan vortreffliche Erfolge mit diesen alten Lügen! Es ist beschämend. Dasselbe Spiel spielt er auch in Bezug auf die Verantwortung: Schaut um euch und seht, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen! Verantwortung übernehmen heisst herrschen und unterdrücken! Verantwortung und Macht sind schlecht! Lest in der Bibel, wie Gott den Menschen gesagt hat, sie sollen über die Erde herrschen, und betrachtet nun, was sie der Erde alles angetan haben! Gott hat einen Fehler begangen! Natürlich wird dabei dreist unterschlagen, dass das, womit wir uns hier und heute konfrontiert sehen, eine völlig pervertierte Form der Ausübung von «Verantwortung» ist, die nichts mit dem Streben nach Verantwortung im Sinne Gottes zu tun hat. Wenn Gott alle Dinge wieder herstellen wird, wird Er zeigen, was wahre Verantwortung ist – und wir werden Ihm dankbar dafür sein. Verantwortung ist nicht etwas Überholtes, das mit dem Sündenfall jede Daseinsberechtigung verloren hätte. Nein, nur schon einige wenige Beispiele aus dem Neuen Testament zeigen, dass sich am Vorsatz Gottes nichts geändert hat:

25 Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füsse gelegt hat. 26 Als letzter Feind wird der Tod weggetan. 27 Denn «alles hat er seinen Füssen unterworfen.» Wenn er aber sagt, dass alles unterworfen sei, so ist es offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei. 1. Kor 15, 25–28

16 Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. 17 Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch ihn. 18 Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, der der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe. Kol 1, 16–18

27 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns nun zuteil werden? 28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Mt 19, 27. 28

15 Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, dass er diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen liess, um zu erfahren, was jeder erhandelt hätte. 16 Der erste aber kam herbei und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde hinzugewonnen. 17 Und er sprach zu ihm: Wohl, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, so habe Gewalt über zehn Städte. 18 Und der zweite kam und sagte: Dein Pfund, Herr, hat fünf Pfunde eingebracht. 19 Er sprach aber auch zu diesem: Und du, sei über fünf Städte. Lk 19, 15–19

Der wahre Mensch nach dem Willen Gottes, der Herr Jesus Christus, wird die Herrschaft, die der erste Mensch dem Satan übergeben hatte, wieder übernehmen und über diese Welt herrschen. Wie gut es den Menschen unter Seiner Herrschaft gehen wird, können wir beispielsweise in Jes 60 (betreffend Zion) nachlesen. Die Seinen wird Er in eine Hierarchie eingliedern; auch sie werden Herrschaft ausüben, das heisst Verantwortung über einen bestimmten Bereich übernehmen. Die Stelle in Mt 19 bedarf diesbezüglich keiner weiteren Erklärung. In Bezug auf die Stelle aus Lk 19 könnte man einwenden, dass der Herr im Gleichnis spricht und dass die Herrschaft über Städte symbolisch zu verstehen sei. Das mag sein, aber doch stellt sich die Frage, weshalb denn der Herr Jesus genau dieses Symbol verwendet. Wenn die treuen Knechte «nur» gesegnet werden sollten, weshalb verwendet Er dann nicht ein entsprechendes Bild wie an so vielen anderen Stellen auch (z. B. die Teilnahme am Hochzeitsmahl)? Wieso spricht Er dann ausgerechnet von der Herrschaft über Städte? Die Leser mögen diese Frage für sich selbst beantworten. Jedenfalls kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass die Idee von Herrschaft und Verantwortung biblisch gesehen alles andere als überholt ist. Der Herr Jesus muss herrschen!

Ebenso erfüllend für einen Menschen wie das Tragen von Verantwortung ist die Pflege von Gemeinschaft. Wir alle sehnen uns im Innersten nach der Gemeinschaft mit anderen Menschen – und mit Gott. Praktisch niemand kann über längere Zeit völlig alleine, isoliert leben (und dabei geistig gesund bleiben). Wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen Menschen fast ebenso sehr wie die Luft zum Atmen und die Nahrung für unseren Leib (vgl. 1. Mose 2, 18a. 23. 24). Die Perversion dieses Strebens nach Gemeinschaft ist die Gier nach Sex als innigster Form von Gemeinschaft, die allerdings nichts wert ist, wenn sie sinnentleert wird. Das haben schon unzählige Menschen feststellen müssen. Man mag die Idee von Ehe und Familie als überholt bezeichnen, als einen alten Zopf, der schon längst abgeschnitten gehörte, aber überall auf der Welt wird fleissig geheiratet und werden fleissig Kinder gezeugt. Die eheliche und die familiäre Gemeinschaft erfüllt und befriedigt die Menschen. Auch Freundschaften und der soziale Austausch mit Bekannten erfüllen ein im Menschen angelegtes Bedürfnis. Menschen, die im familiären Umfeld gravierende Probleme haben, deren familiäre Beziehungen gestört sind, und Menschen, die keine Freunde haben, die sich alleine durchs Leben kämpfen müssen, werden krank und müssen verzweifeln. Die Mediziner haben schon längst erkannt, dass Gesundheit kein Zustand ist, der nur biologisch und psychisch erklärt werden kann, sondern auch eine soziale Komponente beinhalten muss. Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen, wir benötigen den Austausch mit Mitmenschen. Das ist ebenso unsere Bestimmung wie das Tragen von Verantwortung. Muss es da verwundern, wenn der Satan versucht, auch hier einen Hebel anzusetzen, wenn er Beziehungen vergiftet und die Menschen gegeneinander ausspielt? Überrascht es, wenn allerorts die Rufe erklingen, das angeblich überholte Konzept der Ehe und der Familie endlich über Bord zu werfen? Wenn man von Liebe spricht, aber nicht Liebe, sondern Sex, das ist Unzucht, meint? Erstaunt es, wenn Sex als eine lustvolle Freizeitbeschäftigung angepriesen wird und niemand von den zerbrochenen Seelen spricht, die sich auf diese Achterbahnfahrt eingelassen und irgendwann enttäuscht am Boden der Realität aufgeprallt sind? Ach, man wirft Gott und den Christen vor, die Sexualität zu verteufeln, aber Sex verstanden als ehelicher Geschlechtsverkehr ist eine Erfindung Gottes, etwas Gutes, wenn die Rahmenbedingungen eingehalten werden. Dieser Akt, bei dem sich zwei Menschen aufs Innigste vereinigen, setzt eine gegenseitige, unbedingte Verpflichtung zum Zusammenbleiben voraus, das eheliche Gelöbnis, denn nur so kann verhindert werden, dass die Verschmelzung zu einem Leib rückgängig gemacht und miteinander «verwachsene» Menschen auseinandergerissen und dabei «beschädigt» werden. Man mag dieses Verständnis als mittelalterlich und überholt bezeichnen, die vielen kaputten Seelen sprechen aber eine andere Sprache. Lesen Sie sich das Hohelied durch! Teilweise erscheinen die Ausdrücke als nahezu anstössig, aber weil die gegenseitigen Liebesbekundungen innerhalb des göttlichen Rahmens erfolgen und weil Gott selbst diesem poetischsten aller Bücher Sein Siegel aufgedrückt hat, indem Er es in den biblischen Kanon hat aufnehmen lassen, ist letztlich doch alles anständig, rein und schön. Im Buch des Predigers wird die menschliche Gemeinschaft in einem weiteren Sinne, also nicht nur auf die eheliche Gemeinschaft beschränkt, ebenfalls schön umschrieben:

9 Zwei sind besser daran als einer, weil sie eine gute Belohnung für ihre Mühe haben; 10 denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf. Wehe aber dem Einzelnen, der fällt, ohne dass ein Zweiter da ist, um ihn aufzurichten! 11 Auch wenn zwei beieinander liegen, so werden sie warm; der Einzelne aber, wie will er warm werden? 12 Und wenn jemand ihn, den Einzelnen, gewalttätig angreift, so werden ihm die zwei widerstehen; und eine dreifache Schnur zerreisst nicht so schnell. Pred 4, 9–12

Das Streben nach Gemeinschaft zielt aber nicht nur auf die Mitmenschen, sondern auch auf Gott ab. Er hat uns als seine Ebenbilder geschaffen (vgl. 1. Mose 1, 26. 27), um mit uns Gemeinschaft zu pflegen (vgl. 1. Mose 3, 9). Seit dem Verlust der Unschuld ist diese Gemeinschaft unterbrochen. Die Menschen suchen nach dieser Gemeinschaft, wie sie nach Verantwortung und Gemeinschaft mit Mitmenschen verlangen. Die verschiedenen Religionen sind der Beweis dafür, dass die Menschen ein «God shaped void», eine Leere in sich haben, die nur von Gott gefüllt werden kann. Überall auf der Welt streben die Menschen danach, irgendetwas zu erreichen, von dem sie mehr oder weniger klare Vorstellungen haben. Einige wollen von einem Gott angenommen werden, wofür sie dies oder jenes tun müssen. Die Israeliten müssen das Gesetz halten. Die Moslems müssen ein ähnliches Gesetz halten. Die Katholiken und andere christliche oder pseudochristliche Kirchen (wie die Mormonen oder die Zeugen Jehovas) bieten ebenfalls einen Gesetzeskatalog, dessen Beachtung die Annahme bei Gott verspricht. Die Buddhisten wollen dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt entfliehen und ins absolute Nichts eingehen. Überall heisst es: Tue dies oder das, um irgendein höchstes, «überirdisches» Ziel zu erreichen! Die Vorstellungen sind völlig unterschiedlich, aber der Mechanismus ist überall derselbe. Der Mensch hat also die Veranlagung, nach «Höherem» zu streben. Dieses «Höhere» ist laut der Bibel die Gemeinschaft mit Gott, die die Menschheit mit der Vertreibung aus dem Garten Eden verloren hat.

Wenn wir nun dem biblischen Bericht glauben, wonach es die Bestimmung der Menschen ist, Gemeinschaft mit Gott und mit Mitmenschen zu haben und Verantwortung zu übernehmen, dann ist offenkundig, dass Adam und Eva im Garten Eden ein vollkommen erfülltes Leben geführt haben, denn sie haben dort Gemeinschaft miteinander und Gemeinschaft mit Gott gehabt und sie haben die Verantwortung über alles Irdische übernehmen dürfen. Und wie herrlich muss es gewesen sein, im Garten Eden zu leben! Alles ist dort vorhanden gewesen, von allem gab es nur das Beste: Und Gott der Herr liess aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, lieblich anzusehen und gut zur Speise 1. Mose 2, 9a. Adam und Eva müssen durch und durch zufrieden, glücklich und erfüllt gewesen sein.

Aber, ach! Sie haben der alten Schlange mehr geglaubt als Dem, der sie geschaffen hatte! Nur ein einziges, klitzekleines Verbot war ihnen auferlegt worden, doch sie gaben die ihnen anvertraute Verantwortung aus der Hand und verstiessen gegen Gottes Gebot. Sie haben ihre Unschuld verloren, sie haben ihre Herrschaft über die Welt dem Satan übergeben, indem sie getan haben, was er ihnen nahe gelegt hatte, sie haben die Sünde und mit ihr den Tod in die Welt geholt. Wie trügerisch ist doch das Versprechen des Satans gewesen! Sie wollten zwischen Gutem und Bösem unterscheiden können. Als sie es dann konnten, mussten sie als allererstes erkennen, wie tief sie gerade eben gefallen waren! Die Tat war süss wie Honig, weil sie so viel versprach. Einmal begangen, einmal «verspiesen» erwies sie sich aber als bitter wie Wermut. So oft versprechen wir uns (oder versprechen andere uns) Befriedigung, Erfüllung, Freude, Lust und mehr von gewissen Taten, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass all diese Versprechungen Schall und Rauch gewesen sind und uns die Tat nur Kummer und Sorgen verschafft hat. Die Versprechungen des Teufels und der Welt glitzern, aber sie sind leer und führen in ein dunkles Loch. Treffend wird als Beispiel der Ehebruch im Buch der Sprüche beschrieben:

24 Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich, und horcht auf die Worte meines Mundes! 25 Dein Herz wende sich nicht ab nach ihren Wegen, und verirre dich nicht auf ihre Pfade! 26 Denn viele Erschlagene hat sie niedergestreckt, und zahlreich sind alle ihre Ermordeten. 27 Ihr Haus sind Wege zum Scheol, die hinabführen zu den Kammern des Todes. Spr 7, 24–27

So ist es mit all den Versuchungen der Welt und des Teufels: So verlockend sie auch erscheinen, man wird sich im Nachhinein immer betrogen fühlen. Adam und Eva wollten zwischen Gut und Böse unterscheiden können, aber was hat es ihnen genützt? Sie haben danach nur erkennen müssen, wie gut (unschuldig) sie gewesen waren und wie böse (schuldig) sie nun waren. Sie hatten weder Schuld noch Scham noch irgendein negatives Gefühl gekannt und nun war von all dem überreichlich vorhanden. Treffend fragt der Apostel: Welche Frucht hattet ihr denn damals von den Dingen, über die ihr euch jetzt schämt? Röm 6, 21. Sofort wollten sie ihre Scham bedecken, das heisst bildlich ihre Schuld überdecken. Die Feigenblätter, zu denen sie gegriffen haben, sind der symbolische Versuch, die eigene Schuld, die man erkannt hat und derer man sich schämt, zu verschleiern. Leben wir nicht alle ein Leben in Feigenblättern? Wir präsentieren uns gegen aussen immer gerne von unserer besten Seite. Wir stellen unser Gutes in den Vordergrund, richten den Scheinwerfer auf unsere guten Taten – und weg von unseren schlechten Taten. Jeder verheimlicht Dinge, derer er sich schämt. Diese Dinge lassen wir lieber im Schatten schlummern, verdeckt von den Feigenblättern unserer guten Taten und unserer guten Charakterzüge. Wir versuchen, das, worüber wir uns schämen, so gut wie möglich zu verdecken. Wie viele Menschen kennen unsere dunkelsten Geheimnisse? Wahrscheinlich hat jeder von uns Geheimnisse, die er nicht einmal seinem Ehegatten oder seinem besten Freund anvertrauen würde. Die Bekleidung, die Adam und Eva davor nicht benötigt hatten, ist der allgegenwärtige Beweis dafür, dass wir etwas zu verbergen haben. Der Gedanke, wir würden uns nur bekleiden, um gewärmt zu werden, ist töricht. Wir bekleiden uns, um unsere Scham zu verdecken. Doch was nützt es? Gegenüber den Mitmenschen mögen wir mehr oder weniger erfolgreich sein. Gegenüber Gott müssen wir wie der mit dem Feigenblatt bekleidete Adam bekennen: Ich fürchtete mich, denn ich bin nackt 1. Mose 3, 10. Im prüfenden, alles durchdringenden Lichte Gottes sind unsere Feigenblätter nichts wert. Wir können Gott nicht täuschen, können unsere dunklen Geheimnisse nicht vor Ihm verbergen, selbst wenn wir noch so viele Feigenblätter darüber legen. Er sieht alles und Er weiss alles. 3 Deswegen wird alles, was ihr in der Finsternis gesprochen habt, im Licht gehört werden, und was ihr in den Kammern ins Ohr geredet habt, wird auf den Dächern verkündet werden Lk 12, 3. Wir können rein gar nichts vor Gott verbergen! Alles muss und wird offenbar werden! Besitzen wir viele oder wenige Feigenblätter – «gute Taten» –, Sein Blick wird bis zum Grund, bis zur verdeckten Scham, durchdringen. Wir können uns wie Adam vor Ihm verstecken, aber Er wird uns finden, ins Licht zerren und alles offenbar machen. Alles, was wir je getan, gesagt, gedacht oder gefühlt haben, ist verzeichnet, über alles wird peinlich genau Buch geführt (vgl. Offb 20, 12. 13). Sind wir bereit, uns diesem gleissenden Licht auszusetzen? Denken wir, unbeschadet aus einem solch umfassenden Gericht herauskommen zu können?

Die Tat Adams hat weitreichende und unwiderrufliche Folgen nach sich gezogen. Er und Eva haben ihre Unschuld unwiederbringlich verloren. Sie haben nicht mehr in diesen Zustand der Schuldlosigkeit zurückkehren können. Das kann keiner von uns. Die Kleidung zeigt dies eindrücklich. Gott hat weder gesagt, dass sie ihre Feigenblätter (die für Ihn ja gewisserweise wie nicht vorhanden respektive nichts wert waren) nicht mehr benötigten, noch hat Er ihnen einen Weg gezeigt, wie sie in den früheren Zustand zurückkehren (und dann wieder nackt sein) könnten. Im Gegenteil: Er hat sie mit Kleidung versorgt! Damit hat Er wie mit einem göttlichen Siegel bestätigt, dass die Zeit der Unschuld endgültig vergangen gewesen ist. Im fünften Kapitel des Briefes an die Römer wird klar und deutlich bezeugt: Damals ist die Sünde in die Welt gekommen – und mit ihr der Tod.

Mit «Sünde» ist eine Kraft, eine Macht, ein Prinzip gemeint. Das im Urtext verwendete Wort bedeutet Verfehlung und wird entsprechend für das Verfehlen eines Ziels und im übertragenen Sinn, eben als Verfehlung, verwendet. Wenn wir ein Pfeil wären, der vom göttlichen Bogen abgefeuert worden ist und nach dem Willen des göttlichen Bogenschützen auf ein bestimmtes Ziel zusteuert, wobei wir nur eine einzige, ganz bestimmte Bahn beschreiten könnten, dann ist die Sünde der Einfluss, der uns von dieser Bahn abbringt und uns letztlich das Ziel verfehlen lässt. Die einzelnen Abweichungen, das heisst die «Kurskorrekturen», in denen sich dieser Einfluss verwirklicht, können ebenfalls als Sünde(n) bezeichnet werden. So verstanden bezeichnet der Begriff Gefühle, Gedanken, Worte und Taten, die nicht im Einklang mit dem Willen Gottes stehen. Adam hat gesündigt, als er von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen gegessen hat, weil er damit die von Gott vorgegebene Bahn verlassen und somit die Erreichung des göttlichen Ziels für sein Leben verunmöglicht hat. Durch diese eine Sünde ist die Macht der Sünde, die Sünde als Prinzip in die Welt gekommen. Diese ist dann zu jedem durchgedrungen, das heisst jeder Mensch unterliegt dem Prinzip der Sünde. Wer fragt schon nach Gott? Wer interessiert sich nur schon dafür, was Er will, was Ihm gefällt? Und wer handelt ausnahmslos danach? Die Antwort ist einfach: 10 Wie geschrieben steht: ‹Da ist kein Gerechter, auch nicht einer› Röm 3, 10. Die Sünde ist ein fester Bestandteil unserer Welt geworden, wie täglich viel zu viele traurige Beispiele immer wieder beweisen. Ein findiger Mensch würde nun wohl behaupten, er könne ja nichts dafür, wenn er sündige, weil er der Macht der Sünde unterliege, ohne sich je willentlich dieser Macht unterworfen zu haben. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass wir selbst für unsere Worte und Taten verantwortlich sind. Wir entscheiden letzten Endes, uns so oder anders zu verhalten. Es steht uns frei, uns für das Gute oder für das Böse zu entscheiden. Wäre es nicht so, wären all die Aufrufe in der Bibel, zu Gott umzukehren, Busse zu tun (z. B. Apg 2, 38), völlig sinnlos. Es stimmt zwar, dass wir Sklaven der Sünde sind, aber wir sind es deshalb, weil wir sündigen, und wir sind es, die sündigen (vgl. Joh 8, 34). Wir können die Verantwortung für unser Handeln nicht abschieben. Das hat schon bei Adam nicht funktioniert (vgl. 1. Mose 3, 12. 17).

Vor dem Sündenfall hat es nichts als Leben im Universum gegeben. Nur die Warnung Gottes vor den Folgen einer Verletzung Seines Gebotes ist eine Ausnahme davon gewesen, dass alles Leben gewesen ist. Nach dem Sündenfall ist sofort alles dem Tod unterworfen gewesen. Dies hat natürlich in erster Linie die Menschen getroffen, denen die Warnung gegolten hatte. Gott, der Herr, hatte gesagt: An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben 1. Mose 2, 17. Tatsächlich ist Adam noch am selben Tag gestorben, wenn berücksichtigt wird, dass bei Gott tausend Jahre wie ein Tag sind (2. Petr 3, 8), denn Adam ist weniger als tausend Jahre alt geworden (vgl. 1. Mose 5, 5). Vom Tod ist aber nicht nur Adam betroffen gewesen. Im Gericht Gottes hat sich eine eigentümliche Verbundenheit zwischen den Menschen und dem Erdboden, dem sie entnommen worden waren, respektive der Schöpfung, die ihnen anvertraut worden war, gezeigt: Der Erdboden ist verflucht worden (1. Mose 3, 17: «um deinetwillen»!) und alles Leben ist sterblich geworden. Wir befinden uns nun in einem ewigen Kreislauf von Geborenwerden und Sterben, dem nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere und die Pflanzen unterworfen sind. Wir sollten vor diesen weitreichenden Folgen der Tat Adams erschrecken! Das Gericht über seine Tat hat nicht bei ihm und Eva Halt machen können, sondern hat sogar das «Material» treffen müssen, aus dem sie gemacht worden waren, hat alles treffen müssen, was auch nur im entferntesten in irgendeiner Beziehung zu ihnen gestanden hat! Wer will da noch behaupten, Gott drücke hie und da ein Auge zu oder sei gleichgültig oder nachlässig gegenüber der Sünde?

Weil Gott keine Gemeinschaft mit Sünde haben kann (vgl. z. B. Hab 1, 13), hat der Verlust der Unschuld auch zur Folge gehabt, dass eine Kluft zwischen Gott und den Menschen entstanden ist. Eure Ungerechtigkeiten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört Jes 59, 2. Beachten wir aber, dass Adam, derjenige gewesen ist, der sich vor Gott versteckt hat (1. Mose 3, 8), und dass Gott ihn nicht sich selbst überlassen, sondern nach ihm gesucht hat: Wo bist du? 1. Mose 3, 9. Schon in diesem Moment hat sich die grosse Liebe Gottes zu den Menschen gezeigt: Wohl war die Gemeinschaft bereits unwiderruflich getrübt gewesen, doch Gott hat den Menschen nicht aufgegeben, hat ihn nicht (so dies denn möglich wäre) von Seinem Angesicht hinweg flüchten lassen, sondern ist ihm nachgegangen. Wozu ist Er ihm nachgegangen? Um ihn zu strafen? Nein, denn dies hätte Er problemlos auch von weit entfernt tun können. Vielmehr musste das Geschehene im göttlichen Licht und für den Menschen verständlich beurteilt werden. Der Mensch musste wissen, dass Gott Kenntnis von seiner Sünde hatte, dass die Tat ernste Konsequenzen nach sich ziehen musste, aber eben auch, dass Gott den Menschen nicht aufgegeben hatte. Im Gegenteil! Was sagte Er zu Eva? Er sprach von ihrem Samen und von dessen Sieg über den Samen der Schlange, das heisst von Leben und von Überwindung, von einer besseren Zukunft, wie man heute sagt (vgl. 1. Mose 3, 15)! Der Mensch musste unbedingt wissen, dass Gott ihn trotz aller Konsequenzen seiner Sünde nicht aufgegeben hatte und nicht aufgeben würde! Ja, er hatte alles kaputt gemacht, was Gott geschaffen und ihm anvertraut hatte, und ja, das musste ernste Konsequenzen nach sich ziehen, aber Gott suchte ihn und ging ihm nach!

Doch es gab noch ein weiteres Problem, das gelöst werden musste. Der Mensch befand sich in einem jämmerlichen Zustand, beschmutzt von der Sünde, auf einem verfluchten Erdboden lebend. Hätte er nun von der Frucht des Baumes des Lebens gegessen, was er davor noch nicht getan hatte, hätte er diesen Zustand perpetuiert. Nie mehr hätte er dieser Welt, diesem Leben entfliehen können. Er wäre verdammt gewesen, für immer im Schweisse seines Angesichtes Frucht aus dem verfluchten Erdboden zu gewinnen. Das mag uns hier und heute nicht als schlimm erscheinen, weil es den meisten von uns in Westeuropa finanziell und materiell gut geht und weil die Welt mit vielen Annehmlichkeiten lockt. Vergessen wir aber nicht, dass wir in einer aussergewöhnlichen Zeit leben, in einer Zeit eines beispiellosen Wohlstandes, die ein Ende finden muss, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat! Vergessen wir nicht, dass es nur eine Insel des Wohlstandes in einem Meer der Armut ist, auf der wir uns bewegen, dass rings um uns herum Menschen hungern, krank sind, im Krieg leben, leiden! Wäre es wirklich erstrebenswert, auf ewig in dieser Situation gefangen zu sein? Nein! Also musste Gott um des Menschen willen den Menschen aus dem Garten Eden vertreiben und den Zugang zum Baum des Lebens versperren:

22 Und Gott der Herr sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses; und nun, dass er nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe! 23 Und Gott der Herr schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus, den Erdboden zu bebauen, wovon er genommen war; 24 und er trieb den Menschen aus und liess östlich vom Garten Eden die Cherubim lagern und die Flamme des kreisenden Schwertes, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen. 1. Mose 3, 22–24

So gerecht und konsequent Gott die Sünde richtete, so fürsorglich verhielt Er sich gegenüber Adam und Eva. Sie waren immer noch mit den wertlosen Feigenblättern bekleidet, die ihre Scham im göttlichen Licht nicht bedecken konnten. Sie waren vor Gott nackt. Da tat Er folgendes: 23 Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie 1. Mose 3, 23. Gott bekleidete die Menschen! Er selbst machte Kleider, die Er ihnen gab, Kleider, die ihre Scham bedeckten! Wie schön zeigt dies Seine Fürsorge für die Menschen! Doch diese Tat ist nicht nur von Bedeutung, weil sie Seinen herrlichen Charakter zeigt. Mit ihr ist eine überaus wichtige Lehre verbunden. Anders als die Feigenblätter haben die Felle die Menschen nämlich wirklich bekleidet, das heisst ihre Scham bedeckt. Wo rührte dieser Unterschied her? Zwei Tatsachen waren dafür verantwortlich. Erstens: die Felle wurden den Menschen von Gott gegeben; sie hatten sie sich nicht selbst gemacht. Zweitens: Die Kleidung bestand nicht aus pflanzlichem, sondern aus tierischem Material. Gott hatte Tiere töten müssen, um die Felle machen zu können. Weshalb sind diese zwei Aspekte so wichtig? Sie unterscheiden symbolisch den rettenden Glauben von (toter) Religion. Die Geschichte von Kain und Abel enthält genau dieselbe Lektion, vermittelt durch ein geringfügig anderes Bild. Wir wollen uns aber nun zuerst mit diesem ersten Bild beschäftigen.

Durch die Sünde war eine Kluft zwischen Gott und den Menschen entstanden, wie wir gesehen haben. Religion ist der Versuch des Menschen, diese Kluft zu überwinden. Der Mensch versucht, irgendwie über diesen Graben hin zu Gott zu kommen. Er muss dieses oder jenes tun, um sein «Seelenheil» zu erlangen, um ins «Paradies» zu kommen, um ins «Nirwana» überzutreten usw. Die Israeliten, obwohl aus Gnade respektive ausschliesslich durch göttliches Handeln befreit, haben diesen Versuch unternommen. Am Berg Sinai sagten sie: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun! 2. Mose 19, 8. Sie wollten nicht empfangen, sondern tun. Also gab Er ihnen ein Gesetz und versprach jedem, der es halten würde, das ewige Leben. Der Apostel schreibt dazu: 12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: ‹Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben› Gal 3, 12. Hat es auch nur ein Israelit geschafft? Sind sie nicht allesamt gestorben und sterben sie nicht heute noch nach wie vor? Hat sich auch nur schon die Verheissung von Jes 65, 20 erfüllt, wonach jeder, der nicht hundert Jahre alt werde, als verflucht gelte, und jeder, der nur hundert Jahre alt werde, gewissermassen als Jüngling sterbe? Nichts dergleichen! Niemand hat es je geschafft, von seiner Seite, von der menschlichen Seite aus, die Kluft zu überwinden und das Leben zu ergreifen. Niemand hat es geschafft, das ganze Gesetz zu halten. Wer aber auch nur ein Gebot verletzt, hat schon das Gesetz als Ganzes gebrochen. 10 Denn wer irgend das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden Jak 2, 10. So ist es ja auch in der Welt: Wer eine Straftat begeht, egal welche, ist ein Straftäter, hat gegen das Strafgesetzbuch verstossen. Weil es also offenkundig unmöglich ist, das ganze Gesetz zu halten, heisst es: 10 Denn so viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: ‹Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!› Gal 3, 10. Man kann nur verflucht sein, wenn man unter dem Gesetz ist, weil man es niemals vollständig halten und damit niemals die Kluft zwischen sich und Gott überwinden kann. Jede Religion ist zum Vorneherein zum Scheitern verurteilt, weil keine menschliche Bemühung für die Überwindung der Kluft ausreicht. 23 Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes Röm 3, 23. Was aber, wenn Gott die Kluft überwinden würde? Was, wenn die Initiative von Ihm ausginge, wenn Er den Menschen bei der Hand ergreifen und auf Seine Seite hinüber heben würde? Das müsste funktionieren, denn: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich Mt 19, 26. So sicher jede menschliche Brücke zusammenbrechen muss, so sicher wird die göttliche Brücke halten. Was Gott tut, um die Kluft zu überwinden, muss zuverlässig funktionieren – so zuverlässig, wie jeder menschliche Versuch zum Scheitern verurteilt ist. Stellen Sie sich vor, dass jeder falsche Gedanke, jedes falsche Wort, jede falsche Tat eine Schraube ist, die aus Ihrer wackligen Konstruktion entfernt wird, und dass jede Schraube, die fehlt, wirklich fehlt, sodass die Brücke zusammenstürzt, sobald Sie sie betreten! Sie können Schlimmes getan und damit einen ganzen Eisenträger entfernt oder weniger Schlimmes getan und damit nur eine Schraube entfernt haben. In beiden Fällen wird die Brücke Ihr Gewicht nicht tragen. Oder anders ausgedrückt: Sie können nur leicht oder extrem von Ihrer Flugbahn abgekommen sein – in beiden Fällen werden Sie am Ende Ihr Ziel verfehlen. Gott ist nicht ungerecht und wird die Sünden nach ihrem Gewicht gerecht würdigen, aber der Grundsatz ist: Jede noch so kleine Verfehlung verunmöglicht die Überwindung der Kluft, weshalb jede Religion zum Vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Aus diesem Grund ist es ein Unterschied, ob wir uns Feigenblätter nehmen oder ob wir von Gott Felle erhalten. Erstere bedecken unsere Scham nicht. Sie sind im göttlichen Licht nutzlos, auch wenn sie unsere Mitmenschen täuschen mögen. Letztere sind wahre Bekleidung, die ihren Zweck erfüllt. Vom Mensch zu Gott funktioniert nicht, aber von Gott zum Mensch funktioniert.

Uns ist nicht bewusst, wie schrecklich Sünde ist. Wir haben gesehen, dass die Tat Adams nicht nur Konsequenzen für die Menschen, sondern auch für den Erdboden und für alles, was darauf lebt, hatte. Wir verharmlosen die Sünde aber, indem wir gerne mal ein Auge zudrücken und hoffen, dass Gott es uns gleich tun würde. Wir blicken auf wahre Übeltäter und reden uns ein, dass wir relativ gesehen ein ziemlich tugendhaftes Leben führten. Dabei vergessen wir, dass wir nicht an unseren Mitmenschen, sondern am göttlichen Massstab gemessen werden. Da muss es immer heissen: 27 Tekel – du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden Dan 5, 27. Oder wir sagen, dass wir «gesündigt» hätten, wenn wir ein zweites Stück Kuchen gegessen haben, als wäre Sünde eine Kleinigkeit, über die man lachen könnte. O, wir törichten Menschen! Wir haben keine Ahnung davon, wie unendlich schrecklich Sünde ist! Sünde ist so schrecklich, dass sie immer nach Blut und Tod schreit. 23 Denn der Lohn der Sünde ist der Tod Röm 6, 23. Wer sündigt, muss sterben. Sünde kann nur mit Blut, in dem die Seele ist (vgl. 3. Mose 17, 11), gesühnt werden. Völlig ohne Übertreibung kann gesagt werden: Wer sündigt, dessen Blut muss fliessen; wer sündigt, der muss sterben. Immer. Ausnahmslos. Wer will, darf sich ruhig weiter einreden, dass Kleinigkeiten keine Konsequenzen hätten und dass das alles gar nicht so schlimm sei. Wer will, darf sich ruhig weiter einreden, dass er im göttlichen Gericht, das so sicher wie der Tod kommen wird (Hebr 9, 27), schon bestehen werde, wenn er nicht allzu Schlimmes getan habe. Wer will, darf sich ruhig einreden, dass Gott nicht alles sieht, nicht alles weiss oder nicht alles gerecht würdigt. Wer allerdings nur schon die Möglichkeit einräumt, dass Gott alles sieht, alles weiss, alles gerecht würdigt und für jede Sünde Blut und Tod fordern muss, der muss ausrufen: 31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Hebr 10, 31. Was zeigen nun die Felle, die Gott Adam und Eva gegeben hat, in diesem Zusammenhang? Sie zeigen, dass es möglich ist, jemand anders für die eigene Sünde bluten zu lassen. Sie zeigen, dass der Tod eines Stellvertreters unsere Schuld sühnen und unsere Scham vor Gott bedecken kann. Wenn es Schaffelle gewesen sind, die Gott den Menschen gegeben hat, hat also ein Schaf an ihrer Stelle bluten und sterben müssen, damit ihre Sünde hat bedeckt werden können. Die Tieropfer haben später im israelitischen Gottesdienst eine wichtige Rolle gespielt. Sie sind schrecklich und grausam gewesen. Wir würden den Anblick heute wohl kaum ertragen und allein schon die Vorstellung kann Übelkeit und Brechreiz aufkommen lassen. Diese Opfer sind aber nicht schrecklicher oder grausamer als die Sünden, für deren Sühnung sie haben erbracht werden müssen. Weil die Sünde so schrecklich und grausam ist, muss auch ihre Sühnung auf eine schreckliche und grausame Art erfolgen. Was noch schlimmer ist: Es muss immer einen Unschuldigen treffen. Ein Schuldiger kann nicht der Stellvertreter für einen anderen sein, denn sonst würde er ja nur für die eigenen Sünden sterben und nicht für die Sünden des andern, den er vertreten soll. Deshalb haben beispielsweise keine Raubtiere geopfert werden können, sondern nur fehlerlose, unschuldige Schafe, Rinder oder Tauben. Für die Schurze aus Feigenblättern hatte kein Blut fliessen müssen. Auch aus diesem Grund sind sie wertlos gewesen. Für die Felle hatte dagegen Blut fliessen müssen, weshalb sie die Sünde haben sühnen und die Scham haben bedecken können. Die Religionen sind also auch deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie kein hinreichendes Sühnmittel anbieten können. Selbst wenn uns Menschen jede noch so kleine Verfehlung bewusst wäre und selbst wenn wir für jede einzelne dieser Sünden ein Opfer erbringen könnten und selbst wenn dieses Opfer absolut schuld- und makellos wäre, würde es nicht ausreichen, 4 denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen Hebr 10, 4. Nein, ein Mensch müsste an unserer Stelle bluten und sterben, damit unsere Sünde angemessen gesühnt würde. Aber wo findet man einen absolut schuldlosen Menschen? Nirgends! Die Tieropfer Israels sind genauso wie die Felle Adams und Evas Bilder, Symbole dafür gewesen, dass Sünde nach Blut und Tod giert und dass Gott die Möglichkeit einräumt, einen Stellvertreter für die eigene Schuld sühnen zu lassen. Die Erfüllung ist gekommen, als Sein geliebter Sohn Mensch geworden ist, denn Dieser, der Herr Jesus Christus, hat keine Schuld in sich gehabt und hat ein absolut fehlerloses Leben geführt. Er ist der Einzige gewesen, der nicht hätte sterben müssen, weil Er keine Sünde hatte, der Einzige, der sagen konnte: 17 Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. 18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt, es zu lassen, und habe Gewalt, es wiederzunehmen Joh 10, 17. 18. Am Kreuz hat Er dann stellvertretend für unsere Sünden gesühnt. Er ist das Schaf gewesen, das geschlachtet worden ist, damit wir mit seinem Fell bedeckt werden könnten. Dies ist von Gott aus geschehen – so, wie Er es gewesen ist, der die Felle gemacht hat. Damit hat Er den Weg zu sich gemacht, die Brücke über die Kluft geschlagen: 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich Joh 14, 6. Der rettende Glaube ist der, der die ausgestreckte Hand Gottes ergreift und sich von Ihm zu Sich hinüber heben lässt. Die Religion ist der Versuch, diese Hand zu ignorieren und einen anderen Weg zu finden. Es gibt aber keinen anderen Weg. Bedenken Sie bitte, dass der Herr Jesus, der von Seinem Vater über alles geliebte Sohn, Sein Augapfel, Sein Herz, Ihn am Tag vor der Kreuzigung im Garten Gethsemane gebeten hat:

42 Vater, wenn du willst, so nimm diesen Kelch von mir weg – doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe! 43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, der ihn stärkte. 44 Und als er in ringendem Kampf war, betete er heftiger. Und sein Schweiss wurde wie grosse Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen. Lk 22, 42–44

Mit aller Intensität hat der Herr Jesus, gewiss in Todesangst, Seinen Vater, der Ihn über alles liebte, gebeten, den Kelch an Ihm vorübergehen zu lassen. Glauben Sie, dass der Vater in den Himmeln, wenn es einen anderen, wenn auch noch so schmalen Weg gegeben hätte, Seinen Sohn am Kreuz hätte grausam sterben lassen? Denken Sie, Er hätte Ihn trotzdem geschlachtet, wenn es eine andere Möglichkeit gegeben hätte? Nein, der stellvertretende Tod am Kreuz ist die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Kluft zwischen Gott und den Menschen gewesen, der einzige Weg und damit unbedingt notwendig. Sonst hätte der Vater in den Himmeln den Kelch an Seinem Sohn vorübergehen lassen. Nur das unbedingte Vertrauen auf Gott, nur das Ergreifen Seiner ausgestreckten Hand kann uns retten, nur dies ist ein rettender Glaube, dies sind die von Gott gegebenen, blutigen Felle. Jeder andere Weg ist nur Religion, die in den Tod führt, ein nutzloses Feigenblatt. Religion verspricht viel, aber hält nichts davon. Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes Spr 14, 12; Spr 16, 25. Nur der – unreligiöse – Glaube an Gott kann Menschen erretten. Dies hat Er schon den ersten Menschen auf eine eindrückliche Weise bezeugt.

Interessanterweise hat Adam seine Frau erst nach dem allem Eva (d. i. Mutter aller Lebenden; vgl. 1. Mose 3, 20) genannt. Hatte er nicht gerade eben das Leben verloren? Ja, der Garten Eden war nun unerreichbar und der Tod war in die Welt gekommen, aber Gott selbst hatte in diesem Moment, in dem sich alles um den Tod drehte, ebenfalls von Leben gesprochen, nämlich vom Samen der Frau. Er hatte ihnen aufgezeigt, dass das Leben weiter gehen werde, dass sie nun ein anderes Leben, aber doch ein Leben leben würden, dass Eva weiteren Menschen das Leben schenken werde, dass es eine Möglichkeit gebe, wieder in die lebendige Gemeinschaft mit Gott zurückzukehren. Natürlich, der Mensch würde nie wieder unschuldig werden können, aber er konnte gerechtfertigt werden und damit einen Zustand erreichen, in dem er Gott begegnen konnte. Gott selbst hatte also darauf hingewiesen, dass eine Wiederherstellung möglich sei und geschehen werde.

Wohl bald darauf gebar Eva Adam den ersten Sohn, Kain (d. i. Erwerb, Erworbenes, Gewinn). Wer selbst Kinder hat, weiss, wie sehr die Geburt eines gesunden Kindes das Herz erfreuen kann. Frauen vergessen die Schmerzen der Geburt fast vollständig, sobald sie ihr Kind in den Händen halten, denn sie werden von Glücksgefühlen überwältigt. Wie mussten sich Adam und Eva also über ihren Kain gefreut haben! Etwas später gebar Eva Abel (d. i. Hauch, Vergänglichkeit, Nichtigkeit), den zweiten Sohn. Auch seine Geburt muss die Eltern erfreut haben. Die beiden Söhne haben Adam und Eva wohl auch über das davor unbekannte, schwere, anstrengende Leben ausserhalb des Gartens Eden getröstet. Sie waren auch der Beweis dafür, dass das Leben weiter gehen und die menschliche Rasse trotz des in die Welt gekommenen Todes fortbestehen würde.

Die Söhne wuchsen heran, wurden zu Männern und begannen zu arbeiten. Kain wurde ein Ackerbauer, Abel ein Schafhirte (1. Mose 4, 2). Nach dem Verlauf einer Zeit 1. Mose 4, 3 brachte jeder der beiden Söhne Gott eine Opfergabe dar. Beide nahmen etwas vom Ertrag ihrer Arbeit, um es Gott zu opfern: Abel von den Erstlingen seiner Herde 1. Mose 4, 4, Kain von der Frucht des Erdbodens 1. Mose 4, 3. Adam musste seinen Söhnen eingeschärft haben, dass sie Gott ohne Opfer nicht nahen könnten. Ganz offensichtlich hatte er die Lektion der Felle verstanden, verinnerlicht und weitergegeben. Kain und Abel haben also das Vorrecht gehabt, in einem gottesfürchtigen Elternhaus aufzuwachsen. Der Wert dieses Privileges darf nicht unterschätzt werden, wie beispielsweise 1. Kor 7, 14 sehr schön zeigt. Kinder sind wohl ein Geschenk Gottes, denn nur Er kann Leben schenken, aber sie sind nicht in dem Sinne ein Geschenk, als dass sie den Eltern gehörten. Sie sind den Eltern nur anvertraut, denn ihre Seelen gehören Gott – so, wie auch die Seelen der Eltern Ihm gehören. Die Eltern dürfen die gemeinsame Zeit mit den Kindern geniessen, müssen sie aber auch ziehen lassen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Der Umstand, dass Menschenkinder – anders als Tierkinder – ausserordentlich lange weitgehend hilflos sind, ist natürlich kein Zufall. Damit wird den Eltern eindrücklich veranschaulicht, wie abhängig auch sie von Gott sind; den Kindern wird von Beginn weg gelehrt, was es heisst, in Abhängigkeit zu leben, idealerweise natürlich in einem Umfeld der Geborgenheit und des gegenseitigen Vertrauens. Das sind nur zwei Aspekte. Den gottesfürchtigen Eltern obliegt die grosse Verantwortung, die Kinder während ihrer Kindheit im Weg Gottes zu unterweisen. Die Eltern müssen ihren Kindern Gott bezeugen und ein gottesfürchtiges Leben vorleben. Nur so können sie ihre Kinder optimal darauf vorbereiten, dereinst selbst die bewusste Wahl für Gottes Weg zu fällen, die jeder Mensch für sich selbst fällen muss. Für Kinder, die in einem gottesfürchtigen Elternhaus aufwachsen, gibt es keine Garantie, dass sie einmal selbst errettet werden. Die Geschichte von Kain zeigt dies leider in aller Deutlichkeit, denn er wird im Brief des Judas als schlechtes Beispiel in einem Atemzug mit Bileam und Korah genannt (Jud 11). Im ersten Brief des Johannes werden wir davor gewarnt, wie Kain zu sein, und es wird gesagt, dass er aus dem Bösen war (1. Joh 3, 12). Dennoch sollten die Eltern alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um ihren Kindern aufzuzeigen, wie gut und wie wichtig es ist, an Gott zu glauben, Sein Opfer für sich in Anspruch zu nehmen und Seinen Weg zu gehen. Dies ist eine ernste Verantwortung, die Eltern tragen müssen.

Kain und Abel haben also geopfert. Kain hat von der Frucht des Erdbodens, Abel von den Erstlingen seiner Erde etwas dargebracht, jeder von dem, womit er tagtäglich beschäftigt gewesen ist. Heute wird unter dem Titel der Toleranz die Egalität der Religionen grossgeschrieben. Es heisst: Jeder soll nach seiner Façon selig werden Friedrich II. oder: Beim Glauben … komme alles darauf an, dass man glaube; was man glaube, sei völlig gleichgültig Goethe. Wenn das stimmt, dann ist das Opfer Kains ebenso gut gewesen wie das von Abel. Beide haben aus einer Überzeugung heraus gehandelt, beide haben von den Früchten ihrer Arbeit geopfert. Doch was sagt die Bibel? Und der Herr blickte auf Abel und auf seine Opfergabe; 5 aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht 1. Mose 4a. 5. Aha! Eines der beiden Opfer ist Ihm wohlgefällig gewesen, das andere nicht. Weshalb? Etwa weil Er wusste, dass Kain aus dem Bösen war 1. Joh 3, 12? Das könnte zwar zutreffen, denn Gott weiss alles und für Ihn sind alle Dinge – vergangene, gegenwärtige und zukünftige – völlig offenbar, sodass Er damals schon gewusst hat, wie Kain reagieren würde. Aber so handelt Er nicht. Er gibt jedem Menschen die faire Chance, durch Taten offenbar zu machen, was in seinem Herzen ist, und richtet dann aufgrund der Taten, wie beispielsweise Offb 20, 12 zeigt. Er hätte Kain also nicht vor-verurteilt, obwohl Er gewusst hat, was in seinem Herzen vor sich geht und was er imstande ist zu tun. Der biblische Bericht in 1. Mose 4 ist entsprechend aufgebaut. Erst nachdem Gott die beiden Opfer unterschiedlich behandelt hat, ergrimmt Kain, stellt Gott ihm herzerforschende Fragen, warnt Gott ihn vor einem Fehler, zeigt er, was in seinem Herzen ist. Man fragt oft, weshalb Gott so viel Leid in der Welt zulasse. Das meiste Leid fügen Menschen anderen Menschen zu; der Mensch ist des Menschen Wolf. Gott lässt vieles zu, weil Er den Menschen bis zum Schluss die freie Wahl lässt, ihrer Bosheit freien Lauf zu lassen oder sich zu zügeln oder sich Ihm zuzuwenden. Er zwingt niemanden zum Glauben und Er verurteilt und straft niemanden für eine Tat, die dieser Mensch noch gar nicht begangen hat. Er muss es zulassen, dass schlimme Dinge geschehen (die wir uns gegenseitig antun!), weil Er die Menschen aufgrund der von ihnen effektiv begangenen Taten beurteilt. Obwohl Er beispielsweise gewusst haben muss, was Kain seinem Bruder antun würde, hat Er es geschehen lassen. Wohl hat Er eingegriffen und Kain ausdrücklich davor gewarnt, es zu tun, aber Er hat ihn nicht etwa vom Blitz treffen lassen oder ähnliches, um die Tat zu verhindern. Gott ist kein stiller Zuschauer, der Menschen gewissermassen teilnahmslos leiden lässt, denn Ihm liegt etwas an den Menschen. Seine Eingriffe gehen aber nicht über ein bestimmtes Mass hinaus. Sie gehen nicht so weit, dass die Taten verhindert und die Menschen verurteilt und bestraft werden, ohne diese begangen zu haben. Die Antwort, weshalb Gott das Opfer Abels angenommen und das Opfer Kains verworfen hat, ist also nicht in den beiden Herzen zu finden. Sie muss mit den Opfern zusammenhängen.

Betrachten wir zuerst Kains Opfer: Gemäss dem Fluch Gottes hatte die Erde Kain ihren Ertrag nicht ohne Anstrengung gegeben. Er hatte die Früchte im Schweisse seines Angesichts ernten müssen. Er hatte den Erdboden lockern, die Samen setzen, die Pflänzchen giessen, den Boden unkrautfrei halten und die Pflanzen ernten müssen. In erster Linie hat sein Opfer also von seinen Anstrengungen, von seinen Taten gesprochen. Er hatte sich etwas erarbeitet und sein Opfer hat daher ausgesagt: «Schau her, Gott, was ich erarbeitet habe!» Dieses Opfer ist eine Art Tauschgut gewesen, nämlich eine Gabe, mit der sich Kain von Gott etwas hat «eintauschen» wollen, wie wenn sie beide zwei Gleichgestellte wären, die Waren austauschten. Der Gedanke, dass wir unsere Stellung gegenüber Gott, einer «höheren Macht», «dem Universum» oder «dem Schicksal» mittels unserer Taten verbessern könnten, ist nur zu menschlich. Die Hinduisten kennen beispielsweise ein Prinzip, das sie Karma nennen: Tue Gutes, dann muss Dir auch Gutes widerfahren! Diese Auffassung, dass die eigenen Taten den eigenen Standpunkt verbessern würden, führt zur Selbstgefälligkeit. Der Mensch blendet das eigene Schlechte nämlich gerne aus und denkt in der Regel besser von sich als es angebracht wäre. Zudem kann er sich selbst auf die Schulter klopfen, denn alles, was er erreicht, hat er ja (vermeintlich) sich selbst zu verdanken. Der Herr Jesus hat diese Gedanken in einem Gleichnis beschrieben:

10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer trat hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die Übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe. Lk 18, 10–12

Ich, ich, ich! Das ist alles gewesen, worüber der Pharisäer zu berichten hatte – alles, worauf er sich vor Gott berufen hat. Sein Gebet hat gesagt: «Herr, ich habe dies und das getan, nun vergelte es mir!» Genau gleich hat Kain gehandelt. Er hat den Ertrag seiner Anstrengungen Gott zu Füssen gelegt und dann – nicht etwa gehofft, sondern: – erwartet, dass Gott auf seine Opfergabe blicken würde. So vermessen ist der Mensch! Er meint, er könne mit Gott feilschen, mit Ihm einen Tauschhandel betreiben, Ihm etwas geben, wofür Er so dankbar sein müsse wie ein Bettler, der von einem Edelmann eine milde Gabe erhält. Wie töricht! Wie unermessen töricht! Jede Religion basiert genau auf diesem Prinzip: Tue etwas Gutes, dann wirst Du auch etwas Gutes erhalten! Der Pharisäer im Gleichnis des Herrn Jesus ist ebenso wie Kain überzeugt gewesen, dass sich der Herr über die Früchte der eigenen Anstrengungen freuen werde – dass Er sich darüber freuen müsse. Genauso überzeugt sind wohl Dschihadisten, die andere Menschen und sich selbst töten und meinen, ihr Gott müsse sich darüber freuen. Als ob der, der ihrem Glauben nach jedem Menschen das Leben geschenkt hat, sich freuen würde, wenn man es ihnen wieder entreisst! Die Intoleranz von «Andersgläubigen» scheint ebenso ein begriffsnotwendiges Merkmal jeglicher Religion zu sein wie die irrige Auffassung, der Mensch könne seinen Stand vor Gott durch eigene Taten verbessern. Sie muss sich nicht zwingend in Mord und Totschlag zeigen, sondern kann sich auch auf blosse Verachtung beschränken. Im oben wiedergegebenen Gleichnis des Herrn Jesus vom Zöllner und vom Pharisäer meint der Pharisäer, Gott beeindrucken zu können, weil er nicht so sei wie dieser Zöllner Lk 18, 11. Ein religiöser Mensch wird sich immer in einem Vergleich mit anderen Menschen brüsten, denn damit kann er ja noch besser zum Ausdruck bringen, wie viel Wert das, was er Gott darbringt, hat. Man erscheint immer grösser, wenn man alle anderen ringsum klein macht. Was haben die Pharisäer über das Volk gesagt, von dem sie sich haben ehren lassen und das sie geschröpft haben? 49 Diese Volksmenge aber, die das Gesetz nicht kennt, sie ist verflucht! Joh 7, 49. Der religiöse Mensch kann sich nicht mit dem Verhältnis zwischen ihm und Gott begnügen; er muss immer auch auf die anderen schielen. Selbst Menschen, die sich nicht als religiös bezeichnen würden, denken und reden ähnlich. Manch einer wird, konfrontiert mit seinen Sünden, auf Bösewichte wie Hitler oder Stalin verweisen oder (bezugnehmend auf Unbekannte) geltend machen, immerhin habe er ja niemanden ermordet oder vergewaltigt oder ähnliche Greueltaten verübt. Der Mechanismus ist genau derselbe wie bei den Pharisäern: Andere werden als so schlecht dargestellt, dass man selbst in einem vermeintlich besseren Licht erscheint. Der religiöse Mensch präsentiert sich immer von der bestmöglichen Seite und stellt dann Forderungen.

Die Verachtung für die vermeintlich Schwächeren und für die Andersgläubigen geht häufig aber weiter. Nicht selten geht sie in eine Verfolgung über, das heisst in einen offenen Kampf gegen die «anderen». Der Herr Jesus hat Seine Jünger gewarnt: 2 Sie werden euch aus der Synagoge ausschliessen. Es kommt aber die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu erweisen Joh 16, 2. So weit kann die Verblendung des religiösen Menschen gehen, dass er andere Leben auslöscht und dann noch meint, Gott müsse ihm für diesen «Dienst» dankbar sein. Wie viele Kriege sind schon um der Religion willen geführt worden! Wie viel Leid und Tod haben selbst die schon in die Welt gebracht, die sich Christen nennen, obwohl der Herr Jesus doch immer und immer wieder zur Gewaltlosigkeit aufgerufen hat. Wahre Christen sind keine Schlächter. Im Gegenteil: Sie sind diejenigen, die verfolgt und getötet werden. Deinetwegen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden Röm 8, 36. Schon die Geschichte von Kain und Abel zeigt dies: Der Religiöse hat den Gläubigen verfolgt.

So überlegen sich religiöse Menschen oft fühlen, so wenig Verständnis zeigen sie in ihren Handlungen. Kain hat nicht nur völlig übersehen, dass er ohne eine vorgängige Sühnung seiner Sünden nicht vor Gott hat erscheinen können, sondern zudem auch etwas dargebracht, das er dem verfluchten Erdboden entnommen hatte. Gott hatte den Erdboden wegen der Sünde Adams verflucht. Wie hätte der Erdboden nun also etwas Gott Angenehmes, etwas Opfernswertes hervorbringen sollen? Kain hat mit seinem Opfer allzu deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er Gottes Worte nicht verstanden hatte und dass er Gott nicht gekannt hat. Einem solchen Irrtum sind auch die Pharisäer unterlegen, die ihre Küchenkräuter verzehntet haben, denen aber nicht (mehr) bewusst gewesen ist, dass Gott in erster Linie Gerechtigkeit und Barmherzigkeit fordert. Sie sind so verblendet gewesen, dass sie die Sabbatruhe dazu missbraucht haben, Bedürftigen Hilfe vorzuenthalten, und sie haben es den Leuten erlaubt, ihr Geld als Opfergabe dem Tempel zu vermachen, mit der Folge, dass deren Eltern kein Auskommen mehr hatten. Vieles mehr ist ihnen vorzuwerfen, aber das soll hier nicht das Thema sein. Jedenfalls zeigen religiöse Menschen mit ihren Opfern stets, wie wenig sie Gott kennen. So, wie die Narren ihre Narrheit kundtun, wenn sie ihren Mund öffnen, tun religiöse Menschen ihre Verblendung kund, wenn sie opfern.

Das Opfer Abels ist von einer ganz anderen Art als jenes von Kain gewesen, auch wenn es sich vermeintlich im einen wie im andern Fall um einen Teil der Erträge der täglichen Arbeit gehandelt hat. Gott hatte bereits Adam gezeigt, dass nur ein blutiges Opfer die Grundlage für eine Begegnung mit Ihm sein kann respektive dass zuerst das Problem der Sünde beseitigt werden muss, bevor man vor Ihm erscheinen kann. Abel muss diese Lektion von Adam erfahren und dann beherzigt haben. Er und Kain müssen beide Hörer des Wortes gewesen sein, denn sonst hätten sie nicht beide versucht, vor Gott zu treten. Beide hatten also gehört. Aber nur einer hat nach dem Gehörten gehandelt, ist also ein Täter des Wortes gewesen. 22 Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen Jak 1, 22. Das Wort zu hören und zu kennen nützt nichts. Man muss auch danach handeln (vgl. die ausführliche Erklärung in Röm 2 und das eingehende Gleichnis in Mt 7, 24–27). Hätte Abel einfach etwas von seinen Erträgen dargebracht, hätte er also die Haltung Kains eingenommen und wäre er folglich religiös gewesen, hätte Gott sein Opfer ebenso wenig beachtet wie das Opfer Kains – Blut hin oder her. Die Tatsache, dass Gott das Opfer beachtet hat, zeigt aber, dass Abel im Glauben gehandelt hat.

Abel hat mit seinem Opfer zum Ausdruck gebracht, dass es zwischen ihm und Gott einen Graben gegeben hat, dass er diesen Graben hat überwinden wollen, dass er dies nicht aus eigener Kraft hätte tun können und dass er deshalb einen Stellvertreter benötigt hat, der für seine Sünden gesühnt hat. Gott hatte Adam und Eva gezeigt, dass Er den Menschen Seine Hand zur Errettung entgegen streckt, dass diese Errettung aber nur möglich ist, wenn das Sündenproblem gelöst wird, wobei auch dies nur in der Macht Gottes steht. Die Felle, die Er ihnen gegeben hatte, hatten davon gesprochen. Genauso hat das Lamm Abels dies treffend zum Ausdruck gebracht. Es stimmt zwar, dass das Blut von Stieren und Böcken unmöglich Sünden wegnehmen kann (Hebr 10, 4), doch kann damit symbolisch zum Ausdruck gebracht werden, dass es Einen gibt, dessen Blut diese Kraft hat, nämlich den Herrn Jesus Christus. Mit Blick auf Sein Opfer haben die Tieropfer von Beginn weg (immerhin) die Kraft gehabt, die Sünde zu bedecken. Sie haben es den Menschen erlaubt, sich Gott zu nähern, bevor diese sich auf das geschehene Opfer Jesu Christi berufen konnten. Als Abel das Lamm geopfert hat, hat er im Grunde gesagt: «Herr, ich weiss, dass ich Dir nicht nahen kann, weil die Sünde im Weg steht. Ich will aber vor Dich treten. Ich will Gemeinschaft mit Dir haben. Du hast gesagt, dass Du das möglich machen wirst. Du hast gesagt, dass die Sünde gesühnt werden müsse. Du hast gesagt, dass ein Stellvertreter an unserer Stelle bezahlen könne. Du hast gesagt, dass Du diesen Stellvertreter finden wirst. Du hast gesagt, dass bis dahin ein Tieropfer zum Ausdruck bringen kann, dass wir Deinen Worten Glauben schenken. Bitte nimm dieses Opfer an!» So hat sein Opfer von seinem Glauben an die Offenbarungen Gottes gesprochen. Abel hat damit den Platz der Abhängigkeit eingenommen, denn er hat sich nicht auf eigene Leistungen berufen, sondern nur davon abhängig machen können, was Gott gesagt und getan hatte. Seine Hoffnung auf Annahme bei Gott ist nicht in seinem Tun begründet gewesen, sondern im Opfer und in den Worten Gottes. Die Einnahme dieses Platzes vor Gott hat ein gehöriges Mass an Demut erfordert, denn damit hat sich Abel ganz klein vor Gott gemacht. Im Grunde sind wir das ja auch: ganz klein vor Gott. 5 Siehe, sogar der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen: 6 wie viel weniger der Mensch, der Wurm, und das Menschenkind, die Made! Hiob 25, 5. 6. Nur zu oft ist uns dies allerdings nicht bewusst; wir wollen es nicht wahrhaben, sondern gross sein vor Gott und den Menschen, wie Nimrod, wie die Bewohner Babels und viele andere auch. So sehr Religion die Menschen in die Irre führt, so klar lässt der Glaube die Menschen erkennen, wer sie wirklich sind – und wer Gott wirklich ist. Kain ist gross aufgetreten vor Gott; Abel hat sich ganz klein gemacht. Kain ist verblendet und im Irrtum gewesen; Abel hat klar und deutlich gesehen. Das oben bereits erwähnte Gleichnis vom Zöllner und vom Pharisäer zeigt denselben Gegensatz. Wir haben bereits gesehen, wie sehr sich der Pharisäer im Irrtum befunden hat. Der Zöllner ist aber einsichtig und weise gewesen:

13 Der Zöllner aber, von fern stehend, wollte nicht einmal die Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und sprach: O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus vor jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Lk 18, 13. 14

Durch ihre Handlung haben Abel und der Zöllner im Gleichnis das Urteil Gottes über sie, nämlich dass sie Sünder seien, anerkannt und bestätigt. Sie haben bezeugt, dass Er gerecht und sie ungerecht seien, dass ihre Sünde sie von Gott trenne, dass sie auf Seine Gnade – und nicht auf ihre Werke – angewiesen seien. Das blutige Opfer Abels hat Gott für sich allein nichts bedeutet. Schlachtopfer und Speisopfer hast du nicht gewollt, (…) 6 an Brandopfern und Opfern für die Sünde hast du kein Wohlgefallen gefunden Hebr 10, 5. 6. Wie könnte sich der Schöpfer des Lebens auch daran erfreuen, dass Seine Geschöpfe getötet werden! Und doch hat Er (anerkennend) auf das Opfer Abels geblickt, weil Abel im Glauben an Seine Offenbarung gehandelt hat. Als Symbol ist das Opfer Abels wertvoll und Gott wohlgefällig gewesen. Abel hat damit seinen Glauben zum Ausdruck gebracht, das heisst bezeugt. Sein Opfer ist das erste klare Glaubenszeugnis, von dem wir in der Bibel lesen, und ich will Abel daher als den ersten Glaubenszeugen bezeichnen. Da das Wort Märtyrer, das vom griechischen Wort martys stammt, an sich nichts anderes als «Zeuge» bedeutet, ist eigentlich jeder Glaubenszeuge ein Märtyrer. In unserem Sprachgebrauch hat es sich aber eingebürgert, nur Glaubenszeugen, deren Blut vergossen worden ist, als Märtyrer zu bezeichnen. Abel ist aber auch in diesem Sinne ein Märtyrer gewesen, weil er aufgrund seines Glaubens getötet worden ist.

Das Zeugnis Abels soll an dieser Stelle noch näher untersucht werden. Im Gegensatz zu vielen späteren Glaubenszeugen hat Abel nicht gepredigt und sich mit seinem Zeugnis nicht an andere Menschen gewendet. Es hat sich um eine Sache zwischen ihm und Gott allein gehandelt. Abel hat gewissermassen in der stillen Kammer bezeugt, dass die Worte Gottes wahr seien. Dieses bescheidene, intime Zeugnis ist aber nicht unbemerkt geblieben. Kain muss davon Kenntnis erlangt haben. Zwar besagt die Stelle in 1. Mose 4, 5–7 nur, dass Kain ergrimmt ist, weil Gott nicht auf sein Opfer geblickt hatte. Da steht nichts davon, dass Kain von der Reaktion Gottes auf Abels Opfer Kenntnis erhalten hätte. Doch wenn in 1. Mose 4, 8 das Unfassbare, nämlich der Brudermord, beschrieben wird, dann kann es dafür keine andere Begründung als die geben, dass Kain eifersüchtig auf Abel gewesen ist. Kain muss also Kenntnis von der Annahme von Abels Opfer erhalten haben. Dies muss aber gewissermassen beiläufig geschehen sein. Abel ist kein religiöser Mensch gewesen. Er hat sich nicht über seinen Bruder erheben oder diesem dessen Mangel vorhalten müssen. Er hat sich nicht vor Gott oder vor seinen Mitmenschen gross gemacht, sondern ist still und demütig gewesen. So gerne der religiöse Mensch seine Religiosität in die Welt hinaus posaunt, so still und leise verhält sich der gläubige Mensch. Es heisst:

1 Habt aber Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um euch vor ihnen sehen zu lassen, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. 2 Wenn du nun Wohltätigkeit übst, sollst du nicht vor dir herposaunen lassen, wie die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen. 3 Du aber, wenn du Wohltätigkeit übst, so lass deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, 4 damit deine Wohltätigkeit im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten. 5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Strassen stehend zu beten, um sich den Menschen zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen. 6 Du aber, wenn du betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten. Mt 6, 1–6

Wir haben ja bereits gesehen, dass Demut notwendig ist, um sich Gott zu nahen. Anders als demütig können wir gar nicht vor Ihn treten. Wir müssen uns also vor Ihm klein machen und das ist etwas, das wir naturgemäss nur ungern tun. Wer ausser der Heuchler sollte ein Interesse daran haben, dabei von seinen Mitmenschen beobachtet zu werden? Es ist völlig natürlich, dass wir unser Glaubensleben still und leise leben und dass wir das, was wir in der intimen Gemeinschaft mit Gott sagen und hören, für uns behalten.

Die Menschen um uns herum sind aber aufmerksam. Gerade wenn sie wissen, dass wir glauben, werden sie uns besonders aufmerksam beobachten, denn das Verhalten eines Gläubigen ist für einen Nichtgläubigen nicht nachvollziehbar (Joh 3, 8) und weckt daher ein Interesse – meist in der Form eines Misstrauens. Deshalb können und werden wir Glaubenszeugen sein, auch wenn wir unser Glaubensleben nur still, aber konsequent leben, auch wenn wir nicht predigen und nicht mit Worten bezeugen. Unser Zeugnis darf nicht nur allein in Worten bestehen; unsere Taten müssen unseren Glauben ebenfalls bezeugen.

Der religiöse Kain hat die Unzulänglichkeit seiner Religion erkennen müssen und das hat ihn verbittert. Die Annahme von Abels Opfer bei Gott muss seinen Schmerz erhöht und seine Bitterkeit vermehrt haben. Wie unerträglich muss es sein, zu scheitern und zu sehen, wie der Nächste Erfolg hat! Während sich ein Gläubiger über die Güte Gottes gegen alle Menschen freuen kann, wenn er sieht, dass es seinem Nächsten wohl ergeht, erträgt es der Religiöse nicht, wenn jemand mehr Auftrieb und Erfolg hat als er selbst. Wie wir gesehen haben, endet dies nicht selten damit, dass der Religiöse den Gläubigen verfolgt und ihm in letzter Konsequenz nach dem Leben trachtet. Eindrücklich wird uns dies vom Apostel anhand einer Begebenheit aus dem Alten Testament erklärt:

22 Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien; 23 aber der von der Magd war nach dem Fleisch geboren, der aber von der Freien durch Verheissung, 24 was einen bildlichen Sinn hat; denn diese sind zwei Bündnisse: eins vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, welches Hagar ist. 25 Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn sie ist mit ihren Kindern in Knechtschaft; 26 das Jerusalem droben aber ist frei, welches unsere Mutter ist. 27 Denn es steht geschrieben: «Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und rufe laut, die du keine Geburtswehen hast! Denn die Kinder der Einsamen sind zahlreicher als die Kinder derjenigen, die den Mann hat.» 28 Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheissung. 29 Aber so wie damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte, so auch jetzt. 30 Aber was sagt die Schrift? «Stosse die Magd und ihren Sohn hinaus, denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien.» 31 Deshalb, Brüder, sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien. Gal 4, 22–31

Die Stelle bezieht sich zwar in erster Linie auf die beiden Bündnisse mit Israel und mit der Kirche, aber Israel war zu dieser Zeit ja schon lange in Babylon gewesen, also zur toten Religion verkommen. Gläubige Israeliten hätten Gott gepriesen, weil sie erkannt hätten, dass die Gründung der Kirche die Erfüllung göttlicher Prophetien gewesen ist. Die ungläubigen, religiösen Israeliten haben das Handeln Gottes mit Nicht-Israeliten aber nicht ertragen und diese verfolgt, wie Ismael den Isaak verfolgt hatte, wie Esau den Jakob verfolgt hatte. Der gläubige Mensch ist dem religiösen Menschen mehr ein Dorn im Auge als alle andern Menschen. Der religiöse Mensch erträgt den gläubigen Mensch nicht und muss ihn daher verfolgen oder gar töten. So sind beispielsweise die Waldenser, eine kleine Gemeinschaft von Gläubigen, die im 12. Jahrhundert entstanden ist und ein stilles Glaubensleben geführt hat, von der römisch-katholischen Kirche blutig verfolgt worden – das religiöse System hat die Existenz der Glaubensgemeinschaft schlichtweg nicht ertragen. Es könnten unzählige traurige Beispiele angeführt werden, die alle belegen würden, wie oft der Gläubige vom Religiösen verfolgt wird. Auch Kain konnte Abel ja nicht in Ruhe lassen. Er konnte es nicht ertragen, dass Abels Opfer angenommen worden war. In seiner Verbitterung und in seinem Hass sah er nur einen Ausweg: Der Gläubige musste weg. Abel musste sterben.

Gott, der Herzenskenner, hat Kain natürlich sofort durchschaut und ihn eindringlich davor gewarnt, zu sündigen. Seine Worte an Kain belegen, dass jeder Mensch selbst für seine Taten verantwortlich ist. Wir können unsere Fehler nicht auf andere abschieben oder uns damit entschuldigen, dass wir der Erbsünde unterlägen. Die Macht der Sünde über den Menschen wird zwar tatsächlich von Generation zu Generation weiter gegeben, aber jeder Mensch trifft seine eigenen Entscheidungen. Im Kräftemessen zwischen der Macht der Sünde, die in unserem Fleisch wirkt, dem Teufel, der uns zuflüstert, der Welt, die uns lockt, Gott, der uns den rechten Weg weist, und dem Gewissen, das uns warnt, solange es noch nicht abgestumpft ist, sind es am Ende doch wir, die eine Entscheidung fällen. Warum bist du ergrimmt, und warum hat sich dein Angesicht gesenkt? 7 Ist es nicht so, dass es sich erhebt, wenn du recht tust? Und wenn du nicht recht tust, so lagert die Sünde vor der Tür 1. Mose 4, 6. 7. Ja, die Sünde lagert vor der Tür – wir entscheiden, ob wir ihr die Türe unseres Herzens öffnen oder ob wir die Türe verschlossen halten. Kain hat die Türe trotz der Warnung Gottes geöffnet. Wie Adam seine Verantwortung als Mann nicht wahrgenommen hatte, hat Kain seine Verantwortung als Erstgeborener nicht wahrgenommen. Anstatt seinem jüngeren Bruder Abel als Vorbild zu dienen, hat er ihn letzten Endes umgebracht. Obwohl Kain gewusst haben muss, wie er Gott hätte nahen können, weil er die Geschichte Adams gekannt hat und weil er selbst Zeuge der Annahme von Abels Opfer gewesen ist, hat er sich trotzig dazu entschlossen, einen anderen Weg zu wählen. Dadurch hat er alles aus der Hand gegeben.

Wie die meisten Glaubenszeugen ist auch Abel ein Vorbild auf Jesum Christum gewesen: Kain, der Erstgeborene, versinnbildlicht Israel, eine Nation, die Gott aus allen Nationen als Seinen Sohn, als Seinen Erstgeborenen, auserwählt und besonders gesegnet hat. Israel ist Gott besonders nahe gestanden und besonders privilegiert gewesen, doch statt Ihm recht zu nahen, hat es Gottes Gerechtigkeit durch die eigene Gerechtigkeit ersetzt (Röm 10, 3) und ist später, als der treue, der wahre Zeuge aus ihrer Mitte aufgestanden ist, der Herr Jesus, ein Israelit und damit auch ein Bruder, erzürnt über dessen Annahme bei Gott und über die Verwerfung der eigenen Wege. Deshalb hat Israel den Herrn Jesus umgebracht, wie Kain den Abel umgebracht hat. Der religiöse Mensch erträgt die Annahme aus Gnade nicht.

Hat Kain damit Abels Zeugnis ein Ende gesetzt? Nein! Gott, der Herr sagte zu Kain: Horch! Das Blut deines Bruders schreit zu mir von dem Erdboden her 1. Mose 4, 10. Zwei Stellen im Brief an die Hebräer zeigt, dass es sich dabei nicht um einen einmaligen Schrei gehandelt hat, sondern dass das Zeugnis Abels weiterhin in Kraft ist: 4 Durch Glauben brachte Abel Gott ein vorzüglicheres Opfer dar als Kain, durch das er Zeugnis erlangte, dass er gerecht war, wobei Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen redet er noch, obgleich er gestorben ist Hebr 11, 4; ihr seid gekommen Hebr 12, 22 zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abel Hebr 12, 24. Abel ist kein Prediger gewesen, sondern hat nur treu gemäss seinem Glauben gehandelt. Die Annahme seines Opfers bei Gott hat durch seine Ermordung aber nicht ungeschehen gemacht werden können, weshalb das Opfer Abels als eines der ersten auf Jesum Christum vorschattenden Opfer in der Menschheitsgeschichte noch heute zu unseren Herzen spricht. Der frühe, tragische Tod Abels hat dieser Begebenheit gewissermassen ein Ausrufezeichen hinzugefügt; das tragische Ende Abels verstärkt die Wirkung seiner Geschichte nur noch mehr. Das Opfer Abels respektive der Glaube Abels redet noch immer zu uns, obgleich er gestorben ist. Sein Zeugnis hat sein Leben auf der Erde um ein Vielfaches überdauert und wird in alle Ewigkeit Bestand haben. Aber auch das Blut Abels spricht. Wie das Blut eines jeden Menschen, der durch die Hand eines anderen Menschen stirbt, schreit das Blut Abels vom Erdboden her zu Gott. Es schreit nach Vergeltung, so wie das Blut aller Menschen und ganz besonders das Blut der Märtyrer nach Rache schreit:

9 Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. 10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Bis wann, o Herrscher, der du heilig und wahrhaftig bist, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 11 Und es wurde ihnen, einem jeden, ein weisses Gewand gegeben; und es wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhen sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet sein würden, die ebenso wie sie getötet werden würden. Offb 6, 9–11

Wenn wir bedenken, wie viele Menschen seit Abel schon durch die Hand anderer Menschen gestorben sind, dann muss das Schreien vor Gott mittlerweile schier unerträglich sein. Eines jeden Blut schreit zu Ihm nach Vergeltung. Millionen und Milliarden Stimmen dürften mittlerweile bereits in diesen Chor eingestimmt haben. Wen verwundert es da, wenn der Tag des Herrn, der Tag Seines Zornes grausam und hart ausfallen und alles übertreffen wird, was der Menschheit bislang widerfahren ist? Gott ist kein alter Vati, der hilf- und tatenlos zusieht, wie der Erdboden seinen Mund öffnet, um Unmengen von Blut zu trinken. Nein, Er lässt uns noch Zeit zur Umkehr, aber Sein Tag wird kommen und er wird grausam sein. Dies ist eine von vielen Umschreibungen jenes Tages:

1 Wer ist dieser, der von Edom kommt, von Bozra in hochroten Kleidern, dieser, prächtig in seinem Gewand, der einherzieht in der Grösse seiner Kraft? «Ich bin es, der in Gerechtigkeit redet, der mächtig ist zu retten.» 2 Warum ist Rot an deinem Gewand und sind deine Kleider wie die eines Keltertreters? 3 Ich habe die Kelter allein getreten, und von den Völkern war niemand bei mir; und ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimm; und ihr Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand. 4 Denn der Tag der Rache war in meinem Herzen, und das Jahr meiner Erlösung war gekommen. 5 Und ich blickte umher, und da war kein Helfer; und ich staunte, und da war kein Unterstützer. Da hat mein Arm mir geholfen, und mein Grimm, er hat mich unterstützt. 6 Und ich trat die Völker nieder in meinem Zorn und machte sie trunken in meinem Grimm, und ich liess ihren Saft zur Erde rinnen. Jes 63, 1–6

Täuschen wir uns nicht! Gott nimmt die Sünde überaus ernst! Mord ist ein fast unerträglicher Greuel in Seinen Augen, den Er am Tag Seines Zorns mit aller Härte sühnen wird. Aber noch ist dieser Tag nicht hier. Noch ist der Tag des Heils, die Zeit, in der es jedem Menschen möglich ist, umzukehren, Abstand von seinen Sünden zu nehmen und sein Schicksal glaubend in die Hände Gottes zu legen, auf dass Er ihn erretten möge vor dem Tag des Zorns. Die oben zitierte Stelle in Hebr 12, 24 weist darauf hin: Das Blut der Besprengung Christi spricht besser als das Blut Abels, denn obwohl Christi Blut ebenfalls unrechtmässig durch Menschenhand vergossen worden ist, schreit es nicht nach Vergeltung, sondern ruft den Menschen zu, dass sie eine Möglichkeit haben, errettet zu werden. Christi Blut ist nicht zur Vergeltung, sondern zur Vergebung der Sünden vergossen worden, denn Er hat Sein Leben selbst gegeben; niemand hätte es von Ihm nehmen können (Joh 10, 14–18). Weil Gott kein Gefallen am Tod des Gottlosen hat, sondern will, dass er errettet werde (Hes 33, 11), spricht das Blut der Vergebung besser als das Blut der Vergeltung.

Dies schmälert den Wert des Zeugnisses Abels aber natürlich nicht. Die Stellen im Brief an die Hebräer lassen keinen Zweifel offen: Das Zeugnis Abels ist nach wie vor in Kraft. Abel mag zwar, wie sein Name anklingt, nur ein Hauch auf der Erde gewesen sein, weil er viel zu früh gestorben ist. Wir sollten aber nicht meinen, wir seien mehr als nur ein Hauch (Jak 4, 14). Wir alle sind nur ein Dampf, der rasch wieder verfliegt. Was bleibt, ist, was wir in dieser kurzen Zeit getan haben. Abel hat seine Zeit ausgekauft; er hat sie sinnvoll genutzt, indem er danach getrachtet hat, mit Gott ins Reine zu kommen und die Gemeinschaft mit Ihm zu suchen. Dies ist ihm gelungen, denn der Herr hat auf sein Opfer geblickt. Gewissermassen unbeabsichtigt hat Abel damit aber auch von seinem Glauben und von der Wahrhaftigkeit und der Kraft des Wortes Gottes gezeugt. Kain hat die Annahme seines Opfers bemerkt. Seine Geschichte zeigt, dass das Zeugnis stets ein zweischneidiges Schwert ist: Entweder führt es zur Demütigung der andern unter das Wort Gottes oder es führt zum Gericht. Als Petrus an Pfingsten die erste Predigt beendigt hatte, drang es den Zuhörern durchs Herz (Apg 2, 37). Sie fragten sofort, was sie nun tun sollten – und viele wurden an dem Tag errettet. Auch die Rede des Stephanus vor dem Synedrium hatte diese Wirkung: 54 Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt Apg 7, 54 – aber zum Bösen, nicht zum Guten. Die Zuhörer knirschten mit den Zähnen, packten Stephanus und steinigten ihn. Das wahre Zeugnis bleibt nicht ohne Wirkung. Abels Zeugnis rettete Kain leider nicht, weil Kain aus dem Bösen war, aber es hatte diese Kraft und es hatte, obwohl es dieses Ziel verfehlte, eine tiefgehende Wirkung, denn es bildete den Anlass für Gott, Kain gerecht zu richten. Das Zeugnis Abels machte offenbar, was im Herzen Kains war. Danach konnte der Herr Kain aufgrund seiner bösen Tat richten.

Wenn wir von Gott zeugen, dann sollen wir zuversichtlich sein: Es ist nicht vergebens. 11 So wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe Jes 55, 11. Was die Wirkung des Zeugnisses ist, liegt bei Gott. Wir sollen ungeachtet der Konsequenzen Zeugen von Ihm sein. Den Rest können wir getrost Ihm überlassen, wobei wir die Zuversicht haben dürfen, dass kein Wort des Zeugnisses vergebens ist. Die Geschichte Abels zeigt uns, dass unsere Taten genauso ein Zeugnis für Gott sein können wie Worte. Bei glaubwürdigen Zeugen stimmen die Taten natürlich mit den Worten überein; sie sagen dasselbe aus.

Lernen wir von Abel also dies: Auch Dinge, von denen wir meinen, sie würden von niemandem wahrgenommen, können von unserem Glauben an Gott zeugen. Wir sollen in allem Gott treu sein, nicht frömmlerisch, sondern auch im Verborgenen auf Ihn ausgerichtet, die Gemeinschaft mit Ihm suchend. Vielleicht denken wir, dass wir Gottes Wort in einem kleinen Punkt oder in einer besonderen Situation nicht beachten müssten. Dies ist eine völlig falsche Annahme! Nichts, was wir tun, wird verborgen bleiben; alles wird irgendwann ans Licht kommen und bekannt werden. Unsere Worte und unsere Taten haben das Potential, Menschen zu Gott zu führen oder ihre Entfremdung von Ihm offenbar zu machen. Wenn unsere Nächsten sehen, dass wir, die wir uns zu Gott bekennen, in einem Punkt Sein Wort nicht ganz ernst nehmen, werden sie annehmen, dass auch der Glaube an sich etwas Beliebiges sei und dass sie folglich nicht zu Gott umkehren müssten. Wollen wir uns einer solchen Sünde schuldig machen oder wollen wir uns befleissigen, unseren Glauben ernsthaft auszuleben, wie es Abel getan hat?